Ursachen des neuartigen Kiefernsterbens
Was ist denn mit der Kiefer los?

Vom Blauen Kiefernprachtkäfer befallene und absterbende Kiefern

Foto: H. Lemme, LWF

In der Folge der Trockenjahre 2015 und 2016 zeigen die Kiefern im südlichen Landkreis Bamberg sowie in den Niederungen des Landkreises Forchheim nun wöchentlich zunehmend Verfärbungen und Absterbeerscheinungen. Diese Kiefernschäden nehmen nach Süden in Mittelfranken gravierend zu.

Besonders betroffen sind im Landkreis Bamberg das Tal der Reichen Ebrach und die Regnitztalsenke. Im Landkreis Forchheim die Gemeindegebiete Hallerndorf, Heroldsbach, Hausen, Poxdorf, Effeltrich, Langensendelbach und Neunkirchen a. Br. Bereits Personen, die keinen Wald oder Kenntnisse darüber besitzen fallen die Schäden zunehmend auf!

Die Kiefer ist regionale Hauptbaumart

Als Hauptbaumart des mittleren Steigerwalds sowie rund um Bamberg und Forchheim konnten Generationen auf die Kiefer setzen: Hart im Nehmen, setzten ihr vormalige Streunutzung, sandige, nährstoffarme Keuper- und Schwemmsandböden sowie Trockenheit kaum zu. Perfekt für den Anbau rund um das niederschlagsarme "Venedig Frankens".
Doch eine Sache, die mit zunehmender Gewissheit immer öfter vorkommen wird, setzt der Waldkiefer extrem zu: Hitze!
Die Kiefer ist eine Baumart, die ihr natürliches Hauptverbreitungsgebiet in Skandinavien und Russland hat. Daher verwundert es weniger, dass die Kiefer bei sehr hohen Temperaturen leidet. Der Hitzestress der Kiefer lässt sie anfällig werden für Pilze und Schadinsekten. Diese treten zunehmend gemeinsam oder gestaffelt auf. Die zwei wichtigsten werden hier näher betrachtet.

Schäden als Folgen der heißen und trockenen Jahre 2015 und 2016 für die Waldkiefer

Zwischen 2010 und 2016 wurden durch die örtlichen Revierförster der Bayerischen Forstverwaltung mehrere Zweigproben an die Fachspezialisten der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising versandt.

Diploida pinea

Ein Pilz ist der Erreger des sogenannten Kieferntriebsterbens. Früher waren zumeist nur Jungtriebe, Zweige und Baumteile betroffen, der Pilz (Nadel- und Holzpilz) hat seit langem an der Kiefer seinen Wirt gefunden und entstammt ursprünglich subtropisch-mediterranen Breiten - er ist daher an Trockenheit gewohnt. Seine Schadwirkung wird erst durch fortgesetzten Trocken- bzw. Hitzestress seiner Wirtspflanzen ermöglicht und durch zusätzliche Verletzungen (insbesondere Hagelschlag) stark beschleunigt.
Ein zweiter Schädling kommt hinzu:

Der blaue Kiefernprachtkäfer (Phaenops cyanea u.formaneki)

Für ihn sind durch den Pilz vorgeschädigte Kiefern ein willkommener Brutraum. Meist handelt es sich um die Art Ph. cyanea, dessen Larven sich unter der dickborkigen Rinde entwickeln. Also ein Borkenkäfer an der Kiefer.
Weitere Informationen zum Blauen Kiefernprachtkäfer
Verkürzte Entwicklungszeit
Bisher kaum aufgefallen, konnte er in den letzten beiden Jahren aufgrund der hohen Temperaturen seine Entwicklungszeit von zwei Jahren auf ein Jahr verkürzen, d.h. die Anzahl für 2017 weit mehr als verdoppeln. Die Larven fressen zwischen Holz und Rinde und unterbrechen dabei den Saftstrom des Baumes. Zu erkennen sind die betroffenen Bäume an der unten herabfallenden Rinde (bei meist grüner Baumkrone aber auch bei kupferfarbener) und erkennbaren Spechtabschlägen im mittleren und oberen Baumbereich.
Fraßgänge
Löst man die Rinde vom Baum, sind Fraßgänge erkennbar. Je nach Entwicklungsstand findet man bis zu 3 cm lange Larven unter der Rinde und in der groben Rinde. Eine rechtzeitige Entfernung der Hölzer mitsamt der befallenen Rinde verhindert den Ausflug der herangereiften Käfer und eine erneute Eiablage.
Meist Befall dominanter Kiefern
Im Gegensatz zu den typischen dürren Brennholzkiefern, die schon immer Jahr für Jahr, nach und nach zu Brennholz aufgearbeitet wurden (weil sie zu lange zu eng standen und deswegen absterben), befällt der blaue Kiefernprachtkäfer meist gut geformte, dominante Kiefern. Es zeigt sich nun auch bei Kiefernwäldern, dass die vertraute Umgebung vor den Herausforderungen der jüngsten Klimaereignisse mit altgedienten Regeln und Rezepten allein nicht zuverlässig geschützt werden kann.

Was ist zu tun?

  • Südexponierte Waldränder und stark aufgelichtete Bestände auf befallene Kiefern kontrollieren.
  • Wie von Fichtenborkenkäfern befallene Fichten sollten die durch den blauen Kiefernprachtkäfer befallenen Kiefern (erkennbar durch die Spechtabschläge)
    • unverzüglich und möglichst vollständig mit allen befallenen Baumteilen (bei der Kiefer meist nur der Stamm und die Rinde -> mit dem Beil die Rinde aller Baumteile kontrollieren) aufgearbeitet und
    • unverzüglich aus dem Wald entfernt werden (dies ist die einzig mögliche Art der Bekämpfung).
  • Kiefern mit Trockenschäden, die keine Spechtabschläge aufweisen, sollten regelmäßig weiter auf Befall durch die Kiefernprachtkäfer kontrolliert werden.
  • Eine Aufarbeitung zu Brennholz und Lagerung im Wald, wie es sich bis jetzt bei abgestorbenen Kiefern problemlos bewährt hat, ist nicht zu empfehlen. Der Ausflug fertig entwickelter Prachtkäfer und der Neubefall weiterer Kiefern in Brennholznähe konnte bereits beobachtet werden.
  • Es ist es wichtig und zugegeben recht lästig, auch abgefallene Rindenstücke mitzunehmen und zu vernichten (häckseln, verbrennen, evtl. kompostieren), denn in ihr befinden sich die meisten Larven des Blauen Kiefernprachtkäfers (P. cyanea). Die ausgeklügelte Strategie des Kiefernprachtkäfers ist, sich in der Rinde zu verpuppen. Verbleibt sie im Wald, können sich die Larven fertig entwickeln und weitere Kiefern befallen.
  • Im Gegensatz zu den typischen dürren Brennholzkiefern, die schon immer Jahr für Jahr, nach und nach zu Brennholz aufgearbeitet wurden (weil sie zu lange zu eng standen und deswegen absterben…), befällt der blaue Kiefernprachtkäfer meist gut geformte, dominante Kiefern.
  • Es zeigt sich nun auch bei Kiefernwäldern, dass die vertraute Umgebung vor den Herausforderungen der jüngsten Klimaereignisse mit altgedienten Regeln und Rezepten allein nicht zuverlässig geschützt werden kann.

Im Blick (vergrößerte Anzeige durch Anklicken)

Dunkle Streifen auf hellem Holz

Alle Fotos: H. Lemme, LWF