Landkreisrundfahrt 2019
Fokus auf Biodiversität und Ressourcenschutz

Landwirt Geo Gräbner mit Seinen Wasserbüffeln

Landwirt Geo Gräbner vor seinen Wasserbüffeln

Die traditionelle Rundfahrt des Kreisberatungsausschusses Bamberg/Forchheim führte im Juni 2019 zu Betrieben und Maßnahmen in Bamberg und Forchheim, bei denen der Schwerpunkt auf dem Erhalt der Artenvielfalt liegt.

Besichtigt wurden das Beweidungskonzept Aurachgrund im Gemeindegebiet von Walsdorf mit Heckrindern, Wasserbüffeln und Wildpferden, ein Betrieb mit neuer Getreidelager- und -mischtechnik in Großbirkach, ein Infostand zum Thema Heckenpflege in Willersdorf und ein Betrieb mit vielfältiger Fruchtfolge und alten Kulturen in Trailsdorf.
Landwirtschaftliche Betriebe sind heute mehr denn je gefordert, sich flexibel an die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Ein hoch aktuelles Thema ist dabei der Erhalt der Biodiversität - nicht zuletzt seit dem Volksbegehren.
Daher wurden Maßnahmen vorgestellt, die aufzeigen, wie von und mit Landwirten das Thema Biodiversität und Ressourcenschutz gelebt wird. Die Rundfahrt umfasste je zwei Stationen in den Landkreisen Bamberg und Forchheim.

Walsdorf

Die Betriebe Michael Koch (Zettelsdorf) und Geo Gräbner (Feigendorf) tragen zusammen mit der Gemeinde Walsdorf und dem Landschaftspflegeverband Landkreis Bamberg e. V. mit den Beweidungskonzepten "Auerochsen" und "Wasserbüffel" im Rahmen des Arten- und Biotopschutzprogramm Bayern (ABSP) in zweierlei Hinsicht zur Erhaltung der Biodiversität bei.
So wird zum einen die Aurachaue offen gehalten und eine höhere Strukturvielfalt und damit auch eine höhere Biodiversität geschaffen. Zum zweiten werden seltene Nutztierrassen erhalten – auf den Flächen des Betriebes Gräbner finden sich neben den Wasserbüffeln auch noch Wildpferde .
Das Beweidungsprojekt "Auerochsen" erhielt 2008 den Deutschen Landschaftspflegepreis des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege in der Kategorie "Innovative Projekte".
Schwierigkeiten im Umgang mit den weitgehend wild lebenden Tieren gebe es grundsätzlich nicht. "Wäre die Verpflichtung zur Tierkennzeichnung binnen sieben Tagen nicht, wäre mir aber sehr geholfen", betonte Herr Koch als Halter der Auerochsen und appellierte an die Teilnehmer, ihn hinsichtlich einer Ausnahmegenehmigung beim Landratsamt zu unterstützen. Denn das dazu erforderliche Herausfangen der frisch geborenen Kälber sei nicht nur schwierig, sondern vor allem auch gefährlich.
Ansonsten waren sich alle Teilnehmer durchweg einig, dass mit beiden Projekten ein gelungener Beitrag zur Offenhaltung des Aurachgrundes und damit zur Bereicherung der Landschaft gelungen ist.

Ebrach

Der Betrieb Thomas und Marion Link betreibt einen Ferkelerzeugerbetrieb mit ca. 330 Zuchtsauen. Die überwiegende Futtergrundlage liefern mit dem Anbau von Getreide (Winterweizen, Wintergerste und Triticale) und ergänzt durch den Anbau von Ölsaaten (Winterraps) rund 130 ha Ackerfläche.
Familie Link hat in eine beispielgebende Getreideannahme und Futtermischtechnik investiert, die die Futterqualität verbessert, die Effizienz bei der Fütterung steigert und damit Kraftfutter einspart. Da die neue Anlage direkt am Aussiedlungsstandort gleich neben den Schweineställen errichtet werden konnte, spart der Betrieb Zeit und Transportkosten. Diese Synergieeffekte hob auch Ebrachs Bürgermeister Max-Dieter Schneider hervor. Er versicherte, die Ebracher Bauern weiterhin nach Kräften zu unterstützen.

Hallerndorf

Die Pflege von Hecken ist häufig ein Stein des Anstoßes. "Ohne intensive Pflege würden Hecken als von Menschenhand geschaffene Strukturelemente schnell verwildern und so ihren ursprünglichen Charakter und ihre Funktion als wertvoller Lebensraum für mannigfaltige Tier- und Pflanzenarten verlieren", stellte Herr Jessen, Leiter des Forstamtes Hallerndorf vom AELF Bamberg, fest.
Leonhard Anwander vom Landschaftspflegeverband Forchheim ergänzte, dass eine abschnittsweise Pflege alle fünf bis acht Jahre unerlässlich sei: "Ohne die Hilfe unser Landewirte wäre dies nicht machbar."
Dies und weitere Informationen zum Thema Hecke zeigen auch Schautafeln an ausgewählten Standorten im Einzugsbereich der "Integrierten ländlichen Entwicklung (ILE) Regnitz-Aisch" (Gemeinden Altendorf , Buttenheim, Eggolsheim und Hallerndorf).
Angebote des Amtes
Die Besichtigung der Schautafeln nutzte Konrad Schrottenloher, Bereichsleiter Landwirtschaft am AELF Bamberg, um Werbung für das mannigfaltige Angebot seines Amtes an Plakaten und Flyern zum Thema Biodiversität machen. Dies umfasst neben der "Hecke" auch Serien zu Bienen, zu Blühflächen, zu Streuobst und zu vielem mehr. Darüber hinaus stellte er auch den "Biodiversitätsrucksack" vor, der elf kindgerecht aufbereitete Stationen rund um die Biodiversität zum Verleihen enthält. "Geben Sie diese Information weiter und machen Sie von unserem Angebot intensiv Gebrauch", appellierte er an die Teilnehmer.

Trailsdorf

Ein Schlüssel für mehr Biodiversität liegt auch in einer vielfältigen Fruchtfolge. Dies in Verbindung mit dem Anbau alter und vom Aussterben bedrohter Kulturarten praktiziert in vorbildlicher Weise der Bioland-Betrieb Markus Nagengast in Trailsdorf. Von den gut 200 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche wird ein erheblicher Teil zum Anbau alter Getreidearten wie Dinkel, Emmer und Einkorn sowie Hirse verwendet.
Zunehmend spielt aber auch der Anbau von Sonderkulturen zur Ölgewinnung eine große Rolle. So wird neben Mohn und Schwarzkümmel auch THC-freier Hanf erzeugt und in der eigenen Ölmühle für die Direktvermarktung aufbereitet.
Nagengast stieg in die Direktvermarktung von Ölen ein, da es nach seiner Aussage immer schwerer wird, selbst "ausgefallene" Getreidearten als Bioware zu vermarkten. "Der Großhandel will zwar gerne regionale Ware, ist aber nicht bereit dafür, mehr zu zahlen, wie für deutlich günstiger hergestellte Importware", betonte er . "Hätte ich keine verlässlichen regionalen Partner und die Schiene der Direktvermarktung, sähe es düster aus."
Daneben ist Familie Nagengast in der Saatgutvermehrung tätig und betreibt zusammen mit anderen Biobetrieben aus dem näheren Umkreis eine Biogasanlage, die ausschließlich mit Schnittgut aus biologischer Herkunft betrieben wird.

Weitere Informationen - biolandhof-nagengast.de Externer Link

Kreisberatungsausschuss
Der Kreisberatungsausschuss ist ein Koordinierungsgremium der BBV-Kreisverbände und der Verbände für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf) der Landkreise Bamberg und Forchheim sowie des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bamberg.