Douglasienernte auf Burg Feuerstein
Saatgut aus ungewöhnlichem Bestand soll Erkenntnisse für den Wald der Zukunft liefern

Aufgeschnittener DouglasienzapfenZoombild vorhanden

Ein erster Zapfenschnitt zu Beginn der Ernteaktion zeigte bereits mehrere voll entwickelte Samenkörner.

Burg Feuerstein erntet erstmals Douglasienzapfen aus einem 60 bis 70 Jahre alten Bestand – besondere Standortbedingungen machen das gewonnene Saatgut waldbaulich interessant.

Burg Feuerstein geht in diesem Jahr einen für die regionale Forstwirtschaft interessanten Schritt: Erstmals werden Zapfen aus dem Douglasienbestand des Jugendhauses geerntet. Der Bestand war 2023 von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) zur Ernte zugelassen worden. Das gewonnene Saatgut soll teilweise für die eigene Anzucht verwendet, überwiegend jedoch dem freien Markt zur Verfügung gestellt werden.

Bei den Bäumen handelt es sich um die Grüne Douglasie, auch Küsten-Douglasie genannt. Ihre ursprüngliche Heimat liegt an der Pazifikküste im westlichen Nordamerika. Um 1830 wurde die Baumart durch den Botaniker David Douglas nach Deutschland eingeführt. Erste planmäßige Anbauversuche gab es ab etwa 1880, großflächiger angebaut wird die Douglasie in Deutschland seit etwa 1945.

Strenge Voraussetzungen für die Saatguternte

Försterin blickt mit Fernglas in BaumkronenZoombild vorhanden

Revierförsterin Rita Kraus sucht die besten Zapfen

Dass ein Douglasienbestand zur Saatguternte zugelassen wird, ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Unter anderem muss der Bestand mindestens 30 Bäume derselben Baumart umfassen, die innerhalb eines Bereichs von 200 bis 300 Metern stehen. Die Bäume müssen zudem vital, gesund und in einem erntefähigen Alter sein. Der Bestand auf Burg Feuerstein erfüllt diese Voraussetzungen. Auf einer Fläche von rund 0,3 Hektar stehen knapp 60 Douglasien im Alter von etwa 60 bis 70 Jahren. Die Bäume befinden sich nach Angaben der Verantwortlichen in einer guten Verfassung. Die Ernte der Zapfen erfolgt in diesem Jahr mit einem Hubsteiger. Das Gelände rund um den Bestand bietet dafür gute Voraussetzungen. Üblicherweise werden Douglasienzapfen von speziell ausgebildeten Zapfenpflückern direkt aus den Baumkronen geerntet.

Vom Zapfen zum Saatgut

Douglasienzapfen wird zerteiltZoombild vorhanden

Ein Zapfen wird entlang seiner Längsachse durchtrennt, sodass die darin enthaltenen Samenkörner sichtbar werden.

Mit der Ernte der Zapfen ist die Arbeit allerdings noch nicht abgeschlossen. Die Zapfen müssen anschließend in einer sogenannten Samenklenge „geklengt“ werden. Dabei werden die Zapfenschuppen durch die Zufuhr warmer Luft zum Öffnen gebracht, sodass die Samen herausfallen können. In der Natur übernehmen Sonne und Wind diese Aufgabe. Für die Weiterverarbeitung werden die Zapfen in einer Walze bewegt und mit warmer Luft behandelt. Dabei entsteht das charakteristische knackende Geräusch, von dem sich auch die Bezeichnung „Klenge“ ableitet. Die gewonnenen Samen werden anschließend für die Anzucht verwendet.
Ein Douglasienzapfen enthält in der Regel drei bis fünf Samenkörner. In diesem Jahr handelt es sich um eine sogenannte „Halbmast“: Eine ausgewachsene Krone mit ihren Seitenästen kann dabei bis zu 1.400 Zapfen tragen, was einem Gewicht von etwa 25 Kilogramm entsprechen kann. Ein erster Zapfenschnitt zu Beginn der Ernteaktion zeigte bereits mehrere voll entwickelte Samenkörner. Das lässt auf eine gute Ernte hoffen. Ob die Samen tatsächlich keimfähig sind und wie erfolgreich die anschließende Anzucht verläuft, wird sich allerdings erst noch zeigen.

Douglasie als Baumart für den Klimawandel?

Die Ernte ist nicht nur aufgrund des gewonnenen Saatguts interessant. Die Douglasie gilt als Baumart, die unter den sich verändernden klimatischen Bedingungen eine größere Rolle im Wald spielen könnte. Sie kommt mit Hitze und Trockenheit grundsätzlich besser zurecht als beispielsweise die Fichte. Unter geeigneten Bedingungen bildet sie ein tiefreichendes Wurzelsystem aus. Das kann für eine höhere Standfestigkeit sorgen und ermöglicht es den Bäumen, gegebenenfalls auch tiefer liegende Wasserschichten zu erschließen.
Allerdings ist auch die Douglasie nicht uneingeschränkt trockenheitsresistent. Langanhaltender Dürrestress kann auch dieser Baumart zusetzen. Entscheidend sind deshalb unter anderem geeignete genetische Herkünfte und passende Bodenverhältnisse. Besonders gut entwickelt sich die Douglasie auf tiefgründigen, mäßig trockenen bis frischen, sandigen Lehm- oder Tonböden.
Gerade deshalb ist der Bestand auf Burg Feuerstein waldbaulich besonders interessant. Die Böden rund um die Burg bestehen überwiegend aus Malm mit einer Kalk-Schotter-Auflage. Das Gebiet gehört zum Wuchsgebiet 6 „Fränkische Alb und Oberpfälzer Jura“ und ist durch Kalkgestein, Karstphänomene und trockene Hochflächen geprägt.
Damit entspricht der Standort nicht unbedingt den Bedingungen, die als optimal für die Douglasie gelten. Trotzdem haben sich hier über Jahrzehnte stabile und stattliche Bäume entwickelt.

Wertvolle Genetik für schwierige Standorte?

Genau darin liegt eine der spannenden Fragen, die mit der Saatguternte verbunden sind: Könnte die Herkunft der Douglasien von Burg Feuerstein künftig für Standorte interessant sein, die ebenfalls durch schwierigere Boden- und Wasserverhältnisse geprägt sind?
Eine belastbare Antwort darauf kann die diesjährige Ernte noch nicht liefern. Erst die Keimfähigkeit des Saatguts und der Erfolg der Anzucht werden zeigen, wie leistungsfähig die gewonnenen Samen tatsächlich sind. Dennoch steckt in ihnen eine Genetik, die sich bereits über Jahrzehnte unter den besonderen Bedingungen des Standorts bewährt hat.
Begleitet, beraten und überwacht wird die Maßnahme durch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Bamberg. Zuständig ist Revierförsterin Rita Kraus. Unterstützt wird sie von Stefan Hanke, Baumsteiger und Forstwirt. Beide führten zu Beginn der Aktion einen sogenannten Zapfenschnitt durch. Dabei wird ein Zapfen entlang seiner Längsachse durchtrennt, sodass die darin enthaltenen Samenkörner sichtbar werden.
Zusätzlich wird durch das Amt für Waldgenetik ein vorgeschriebenes Stammzertifikat ausgestellt.
Die Verantwortlichen auf Burg Feuerstein verfolgen die weitere Entwicklung mit großem Interesse. Der ehemalige Betriebsleiter Ludwig Thiem hatte die Maßnahme bereits vor Jahren angestoßen. Sein Nachfolger Lukas Sebald und die Leiterin des Hauses, Sabine Grüner, sind nun gespannt auf das Ergebnis der ersten Douglasienernte.

Ob aus den Samen tatsächlich neue Douglasien hervorgehen, die wiederum an schwierige Standorte angepasst sind, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Die Ernte liefert dafür jedoch einen wichtigen Ausgangspunkt – und möglicherweise einen kleinen Baustein für die Frage, welche Baumarten und Herkünfte den Wald der Zukunft prägen können.