Im ökologischen Landbau
Kartoffelkäfer regulieren

Um den Kartoffelkäfer zu bekämpfen, empfiehlt das Fachzentrum Bamberg vorbeugend: die Wahl frühreiferer Sorten und Maßnahmen für ein schnelles Auflaufen sowie in Gebieten mit wenig Kartoffelbau die Lage der Kartoffelflächen. Es sollten alle Kartoffelflächen möglichst weit von den Flächen des Vorjahres (mind. 500 m) entfernt, angelegt werden.

Durch heiße und trockene Sommer bedingt, können sich neuerdings 2 bis sogar 3 Generationen je Jahr entwickeln, entgegen der früher üblichen einen Generation.
Schadschwelle
Für die Kontrollen ist wichtig, dass sich die kleinen L1-Larven nur auf den Blattunterseiten aufhalten und deshalb leicht zu übersehen sind. Gerade eine frühzeitige Behandlung im L1- und L2-Stadium der Larven ist bei den biologischen Präparaten außer SpinTor wichtig. Das Junglarvenstadium L1 und L2 ist an einer maximal 1 mm breiten Kopfkapsel erkennbar. Die Schadschwelle ist erreicht, wenn im Durchschnitt von 25 Pflanzen 8 Larven festgestellt werden. Bei großen Schlägen sind besonders die Bereiche zu Kartoffelschlägen des Vorjahres zu kontrollieren.
Absammeln
Bekämpfungsmaßnahmen sind das Absammeln von Hand bzw. Abschütteln mit einem Tennisschläger bei Kleinflächen. Die Käfer sind leichter als die Larven abzuschütteln. Im Regelfall sind wiederholte Absammelgänge nötig. Eine Befallsreduktion wurde auch durch wiederholtes Streuen von Gesteinsmehl festgestellt.
Präparate
Weit verbreitet ist der Einsatz der biologischen Präparate Novodor FC (Bacillus thurin-giensis) oder NeemAzal T/S (Azadirachtin A des tropischen Neem-Baumes). Gegen das neue SpinTor (Spinosad = Stoffwechselprodukt des Bodenbakteriums Sacharopolyspora spinosa) bestehen ökologische Bedenken. Spruzit Neu (Natur-Pyrethrum) kann hier wegen erheblicher Resistenzprobleme nicht empfohlen werden.
Nach der VO (EG) 889/2008 ist keine Kontrollstellengenehmigung nötig, jedoch Buch zu führen über die Notwendigkeit der Mittel.
PräparatAufwandmenge/hamax. Anwendungen
Novodor FC5 l4
NeemAzal T/S2,5 l2
SpinTor50 ml2
Ausbringung
Um eine möglichst vollständige Benetzung zu erreichen, sollten die biologischen Präparate mit einem feinerem Tropfenspektrum von 250-400 µm (z.B. Air Mix 110 04) und 400-600 l/ha Wasser ausgebracht werden. Bei Tagestemperaturen über 20°C oder welken Beständen sollte am späten Abend oder am frühen Morgen behandelt werden, weil die Larven dann am meisten Wirkstoff aufnehmen. Auch biologische Insektizide unterliegen dem Pflanzenschutzgesetz.
Novodor FC
Novodor FC wird mit 5 l/ha im Larvenstadium L1 – L2 wegen dem stark abnehmenden Bekämpfungserfolg bei größeren Stadien möglichst sobald die ersten Fraßstellen oder Larven entdeckt werden, eingesetzt. Das Bt-Protein wirkt über die Verdauungsorgane der Larven und führt kurze Zeit nach der Aufnahme zum Fraßstop und Absterben der Larven nach 4-6 Tagen. Warme wüchsige Witterung ist für den Erfolg günstig, weil bei starker Fraßtätigkeit viel Wirkstoff aufgenommen wird, wobei bei großer Hitze die Wirkungszeit auf 2 – 3 Tage reduziert wird, ansonsten bleibt der Wirkstoff 5-8 Tage aktiv. Novodor kann sich schwach schädigend auf den Siebenpunkt-Marienkäfer auswirken. Das Mittel ist nicht regenfest.
NeemAzal T/S
NeemAzal T/S dringt in die Blätter ein und der Wirkstoff wird teilsystemisch transpor-tiert. Je länger die Blätter feucht sind, desto besser kann der Wirkstoff eindringen. Nach ca. 10 Std. ist das Mittel regenfest. Die Wirkungsdauer beträgt 4 bis 7 Tage. Die Einstellung der Fraßtätigkeit erfolgt wesentlich langsamer, bei etwas größeren Larven erst nach 3 - 4 Tagen bis nach Wochen. Der fraßhemmende Effekt hält lange an. Anschließend verkümmern die Larven, da die Häutungen nicht mehr erfolgen und die Käfer werden unfruchtbar. Auch wenn bei diesem Präparat bei größeren Larven der Wirkungsabfall etwas geringer ist, ist doch auch hier ein möglichst frühzeitiger Einsatz im L1- und L2-Stadium eindeutig zu bevorzugen. Es hat Nebenwirkungen auf Blattläuse und kann Schwebfliegen schädigen. Die Haltbarkeit beträgt 2 Jahre.
Kombination wirkungsvoll
Nach mehrjährigen Feldversuchen der Biologischen Bundesanstalt (BBA) ist die Kombination dieser beiden Präparate im Abstand von mehreren Tagen hintereinander (am besten zuerst NeemAzal T/S und dann Novodor FC) am wirkungsvollsten. Auch unter dem Gesichtspunkt zunehmender Resistenzprobleme bei Novodor ist die Kombination vorteilhaft.
SpinTor
SpinTor steht auch für den Ökolandbau zur Verfügung. Es hat den großen Nachteil, dass es bienengefährlich ist, weshalb es von den Öko-Verbänden nicht erlaubt ist. Es darf kein blühendes Unkraut im Bestand sein. Mit den Warnhinweis „N“ ist es auch umweltgefährlich. Es hat keine Nebenwirkung auf Blattläuse und ist gering toxisch für Nützlinge, wie Schlupfwespen. Raubmilben, Florfliegen und Laufkäfer werden geschont und für den Siebenpunktmarienkäfer wirkt es schwach schädigend. Seine Wirksamkeit beruht in erster Linie auf der Fraß- und in zweiter Linie auf der Kontaktwirkung. Der Wirkungsgrad ist mit den beiden anderen Mitteln vergleichbar. Der Temperaturbereich für den Einsatz ist breit und die Wirkung schnell.
Stand: Oktober 2018