Lupinen im ökologischen Anbau

Geöffnete Schale einer Blauen Lupine

Blaue Lupine

Aufgrund ihrer tiefreichenden Pfahlwurzel ist die Lupine unempfindlich gegen Sommertrockenheit. Alle Lupinen vertragen keinen freien Kalk im Boden. Die Lupinen weisen den höchsten Rohproteingehalt aller heimischen Körnerleguminosen auf.

Der Süßlupinenanbau (Bitterstoffgehalt unter 0,05 %) ging ab Mitte der 1990er Jahre im Anbauumfang enorm zurück durch die verstärkt auftretende samenübertragbare Pilzkrankheit Anthraknose. Die Anfälligkeit der Lupinenarten nimmt von der Weißen über die Gelbe bis zur Blauen Lupine ab. Enttsprechend beschränkte sich die Züchtungsarbeit in den letzten Jahren fast nur noch auf die Blaue Lupine, von der die meisten Sorten zugelassen sind.
In der Saatzucht Triesdorf als derzeit einzigem Zuchtstandort in Deutschland für die Weiße Lupine wird diese Art züchterisch bearbeitet. Stämme mit gerimgen Antrhaknosebefall stehen in der Zulassung.

Weiße Lupine (Lupinus albus)

  • für mittlere und bessere Standorte mit pH-Wert 5,5 bis 6,8
  • Ertragsleistung 20-40 dt/ha und damit ertragreichste Lupinenart
  • 36 bis 42 % Rohprotein, TKG 270 bis 430 g
  • derzeit nur Verzweigungstypen, gleichmäßige und rechtzeitige Abreife ca. 4 Wochen nach der Körnererbse,
  • sehr platzfeste Hülsen, bessere Unkrautunterdrückung als bei den anderen Arten
  • Besonders die weiße Lupine kann mit ihren Wurzelausscheidungen schwer lösliches Phosphat verfügbar machen.
Alle Sorten sind verzweigte Typen. Ertraglich zählt die bereits seit 1985 zugelassene Sorte Amiga (EU) zu den besten Sorten. Die etwas frühreifere und längere Sorte hat ein hohes TKG. Die etwas kürzere Feodora erreicht nahezu ähnliche Erträge und reift etwas später ab.
Saatstärke:
55 – 65 Kö/m2 entsprechend ca.140 – 280 kg/ha bei einem TKG von 250-450 g.

Blaue oder Schmalblättrige Lupine (Lupinus angustifolius)

  • für leichte bis mittlere tiefgründige Böden mit pH-Wert von 5,0 - 6,5
  • Ertragsleistung zwischen 15-30 dt/ha, 32-35 % Rohprotein
  • verfügen über ein sehr leistungsfähiges Wurzelnetz
  • Verzweigte Sorten reifen etwa 2 Wochen nach der Körnererbse und die determinierten etwa mit der Körnererbse ab.
Ältere verzweigte Sorten
Die älteren verzweigten Sorten blühen bei ausreichendem Wasserangebot, besonders auch auf besseren Böden, an den Triebenden immer weiter, werden nicht alle reif und platzen beim Drusch verstärkt auf (Taudrusch nötig). Sie sind deshalb für sandige Standorte unter ca. 40 Bodenpunkten besser geeignet.
Neuere Verzweigungstypen
Die neueren Verzweigungstypen (Arabella und Boregine) blühen zwar kaum mehr nach, neigen aber auch noch stärker zum Aufplatzen.
Verzweigte Sorten: Die etwas kürzere großkörnige Arabella neigt bei stärkerem Wuchs zum Lager und erreicht überdurchschnittliche Erträge. Die großkörnige Boregine bringen auf allen, auch auf leichten Standorten hohe Korn- und gute Rohproteinerträge.
Verzweigte Sorten
Die etwas kürzere großkörnige Arabella neigt bei stärkerem Wuchs zum Lager und erreicht überdurchschnittliche Erträge. Die großkörnige Boregine brin-gen auf allen, auch auf leichten Standorten hohe Korn- und gute Rohproteinerträge.
Durch die starke Verzweigung schließt sie die Bestände schneller und zeigt eine gute Unkrautunterdrückung. Sie neigt etwas stärker zum Hülsenplatzen und hat eine zögerliche Strohabreife. Borlu hat eine gute Standfestigkeit, so dass sie besonders für bessere Böden geeignet ist. Die großkörnige Mirabor erreicht auf allen Standorten hohe Korn- und Rohproteinerträge. Die Neigung zu Lager ist überdurchschnittlich und Zwiewuchs und Reifeverzögerung günstig. Die kürzere kleinkörnige Probor hat einen hohen Rohproteingehalt mittlere Kornerträge.
Saatstärke:
90-100 Kö/m2 bei den verzweigten Sorten entsprechend 120-190 kg/ha, bei einem TKG von 120-180 g.
Die endständigen (determinierten) Sorten sind ertragsschwächer und standfester als die verzweigten Sorten, haben eine gleichmäßig frühe Abreife, zeigen aber eine sehr geringe Unkrautunterdrückung (Spätverunkrautung!), haben einen sehr tiefen Hülsenansatz und scheinen mit späten Aussaatbedingungen besser zurecht zu kommen. Sie zeigen größere Ertragsschwankungen.
Boruta
Boruta empfiehlt sich für bessere Standorte wegen rechtzeitiger und gleichmäßiger Reife. Sie zeigt erhöhtes Hülsenplatzen und liegt ertraglich unter den Verzweigungssorten.
Haags Blaue
Haags Blaue ist sehr kurz und standfest. Sie liegt ertraglich etwas niedriger, hat aber eine frühe und gleichmäßige Abreife, auch in feuchten Lagen.
Saatstärke: 120-140 Kö/m2 , entsprechend bei einem TKG von 120-180 g, ca. 150-270 kg/ha.

Gelbe Lupine (Lupinus luteus)

  • Pflanzen der leichten, sauren Böden mit pH-Wert 4,0 – 6,0 und grundwasserfernen Böden
  • nur geringes Ertragsniveau von 10-20 dt/ha
  • 40-46 % Rohprotein
  • nur Verzweigungstypen
  • sortenunterschiedlich starkes Aufplatzen (Taudrusch nötig) oder schlecht ausdreschbar
  • Reife ist ca. 2 Wochen nach der Körnererbse
  • Verfügbare Sorten: Borena, Mister und Taper.
Saatstärke
80–100 Kö/m2 entsprechend ca. 100–200 kg/ha bei einem TKG von 120-180 g.

Fruchtfolge

Die geringe Unkraut unterdrückende Wirkung ist zu beachten. Die unmittelbare Vor-fruchtwirkung ist mit der Ackerbohne vergleichbar und etwas schlechter als bei der Erbse, die Folgewirkung durch höhere Rohfasergehalte in der Wurzel jedoch etwas besser als bei Erbsen. Anbaupausen von mindestens 4-6 Jahren sind nötig. Kein Anbau nach Kartoffeln und mindestens 3 Jahre Anbaupause nach Raps, Sonnenblumen, Bohnen, Sojabohnen und Erbsen wegen Sclerotina sollte eingehalten werden.

Saat

Eine Mindestbodenwärme von 5-6°C sollte abgewartet werden. Leichte Spätfröste bis zur Ausbildung des 2. Laubpaares werden vertragen, von der Weißen Lupine (bis
–6°C) besser als von der Blauen Lupine (bis –3°C). Frühe Saat ist nur auf Standorten ohne stärkeren Unkrautdruck empfehlenswert. Bis Mitte April sollte die Saat abgeschlossen sein, da sonst eine zunehmende Massenentwicklung und abnehmende Körnerbildung erfolgt. Es wird vor zu frühen Saaten gewarnt, da die Lupine sehr empfindlich auf Verschlämmungen, Bodenverdichtungen bei zu feuchtem Boden zum Bestellzeitpunkt oder Kältephasen mit schlechtem Feldaufgang reagiert; gleichzeitig nimmt die Verunkrautungsproblematik überproportional zu. Die Saattiefe liegt bei 2-4 cm. Bei Striegelmaßnahmen sind 3–4 cm Saattiefe unbedingt einzuhalten. Gewalzt sollte nach der Saat möglichst nicht werden.
Wegen der samenbürtigen Anthracnose ist nur zertifiziertes Saatgut zu verwenden. Durch eine einjährige Überlagerung des Saatgutes nimmt der Befall oft deutlich ab. Bei Nachbau kann allerdings durch teilweise Fremdbefruchtung der Bitterstoffgehalt zunehmen. Auf Standorten, wo in den letzten 8 Jahren keine Lupinen oder Serradella standen, ist unbedingt sorgfältig und möglichst kurz vor der Saat mit Rhizobien zu imp-fen. Selbst bei von bereits vom Anbieter gebeitzten Partien haben nochmalige Beizun-gen gute Erfolge gezeigt. Besonders bewährt hat sich das Präparat „HiStick“, daneben wird u.a. noch „Radicin“ angeboten. „Radicin“ ist geschlossen nur 6 Wochen bei 4-10°C lagerfähig, Hi-Stick geschlossen 2 Jahre.
Reihenweite
Die Reihenweite ist von der Unkrautbekämpfung, in der Regel Hacken, abhängig. Be-sonders Blaue und Gelbe Lupinen werden meist auf doppeltem Getreideabstand gesät. Weiße Lupinen können weiter bis etwa 35 cm Reihenweite gesät werden. Bei geringe-rem Unkrautdruck können, vor allem endständige Lupinensorten, auf Getreidereihenabstand gesät werden und sollten sobald als möglich blind gestriegelt werden.

Pflege

Blindstriegeln bis etwa eine Woche nach der Saat ist meist die effektivste Maßnahme.
Vorsichtiges Striegeln ab dem ersten Laubblattpaar (2-Blattstadium) bis 4 – 5- Blattstadium bei 10 cm Pflanzenhöhe bei warmen bis leicht welken Beständen. Abgebrochene Pflanzen können sich im Gegensatz zu anderen Leguminosen nicht regenerieren. Blaue und gelbe Lupinen sind wesentlich empfindlicher (weniger elastisch) als weiße Lupinen.
Zum frühen Hacken haben sich Gänsefußschare in Verbindung mit dem Flachhäufler, der Torsionshacke oder der Fingerhacke bewährt.
Wegen der Übertragungsgefahr der Anthracnose sollten die Pflegemaßnahmen nur bei trockenen Beständen und Böden durchgeführt werden und auch weil die Pflanzenverluste bei höheren Temperaturen geringer sind.

Krankheiten und Schädlinge

Anthraknose (Colletotrichum lupini):
Nesterweise Verkrümmungen der Triebe, welke Blätter und Brennflecken (Brennfleckenkrankheit) an Stängeln, Blättern und Hülsen; große Schäden bei feuchten, niederschlagsreichen Bedingungen bei 15 – 18 °C. Am Saatgut sind keine typischen Symptome erkennbar.
Gegenmaßnahmen: Weniger anfällige Sorten, niederschlagsärmere Regionen, anth-racnosefreies Saatgut, kein Anbau in unmittelbarer Nähe von im Vorjahr befallenen Feldern, keine Verschleppung bei mechanischer Pflege, Saatgutüberlagerung brachte teilweise Rückgänge des Befalles, bei späterer Aussaat wurden größere Schäden beobachtet, frühe Sorten zeigen tendenziell geringeren Befall.
Lupinenwelke (Fusarium oxysporum):
Befällt besonders die gelbe und blaue Lupine. Alle neuzugelassenen Sorten sind fusariumtolerant, die gelben Lupinensorten sind toleranter als die blauen Sorten.
Sclerotina (Sclerotinia sclerotiorum):
Ausreichende Fruchtfolgeabstände zu Kreuzblütlern und anderen Leguminosen einhalten.
Wild
Lupinen sind sehr beliebt bei Rehen, Hasen usw., Probleme ergeben sich besonders in Waldnähe und bei kleinen Schlägen.

Ernte

Ernte, wenn Pflanzen vollständig vertrocknet, Samen sind braun und rascheln in den Hülsen; Erntefeuchte bei 13-16 % Wassergehalt. Blaue Lupine nicht zu spät ernten wegen Platzverlusten, niedrige Trommeldrehzahl und weiter Dreschkorb wie bei Erb-sen, günstige Ernte in den frühen Morgenstunden wegen Aufplatzen bei den blauen Lupinen.

Lupinen in der Fütterung

Sie weisen mit 32-45 % die höchsten Rohproteingehalte aller heimischen Körnerleguminosen auf. In der Zusammensetzung an essentiellen Aminosäuren sind Blaue über
Weiße bis zu den Gelben Lupinen zunehmend besser. Allen Lupinenarten ist ein sehr geringer Methioningehalt, der bei Blauen Lupinen unter dem Gehalt bei Weizen liegt, gemeinsam.
Aminosäuregehalte von Lupinen und Vergleichsfutter (g/1000 g Rohprotein)
AminosäureWeiße LupineBlaue LupineAckerbohneErbseSojaextraktionsschrot
Lysin4,664,496,427,176,26
Methionin0,650,550,801,471,45
Threonin3,493,313,563,753,99
Tryptophan0,900,910,880,901,31
Quelle: Lupinenanbau und Verwertung, UFOP, 2007
Wiederkäuerfütterung
In der Wiederkäuerfütterung weisen Lupinen in Verbindung mit dem hohen Rohproteingehalt den höchsten Gehalt an nutzbarem Protein (nXP) eine hohe ruminale Stickstoffbilanz (RNB) auf. Der deutlich höhere Fettgehalt als bei anderen Leguminosen (bis 100 g Rohfett/kg TM bei Weißen Lupinen) ist zu beachten. Mit 10 - 30 % in der Kraftfuttermischung können sie eingesetzt werden. Durch eine hydrothermische Behandlung kann der nXP-Gehalt (nutzbares Protein) bei Blauen Lupinen von 187 g auf über 230 g nXP pro kg Futtermittel erhöht werden. In Versuchen führte der Einsatz behandelter blauer Lupinen zur gesicherten Steigerung der Milchleistung.
Schweine- und Geflügelfütterung
Bei der Schweine- und Geflügelfütterung sind die hohen Rohfasergehalte von 130 g/100 g bei den Weißen Lupinen und 163 g/1000 g bei den Blauen Lupinen zu beachten. Leistungsbegrenzend ist in der Schweinefütterung besonders Methionin und Lysin und in der Geflügelfütterung vor allem der Methioningehalt. Beim Lysingehalt liegen beim derzeitigen Sortenspektrum die Blauen Süßlupinen und beim Methioningehalt die Weißen Lupinen etwas günstiger. Beachtenswert ist auch der Gehalt an Nicht-Stärke-Polysacchariden (NSP) von 270-370 g/kg TM, die bei Schweinen nur im Dickdarm abgebaut werden können. Dies kann zu Blähungen führen und bewirkt geringe Gehalte an umsetzbarer Energie.
Obergrenzen des Lupineneinsatzes liegen bei max. 10 % bei Schweinen in der Fütte-rung mit Weißen Lupinen und 15 - 20 % bei den anderen Arten.
In der Geflügelfütterung sollten max. 20 % Lupinen eingehalten werden. Der Gehalt an Nicht-Stärke-Polysacchoriden wirkt sich negativ auf die Kotbeschaffenheit aus. Hydro-thermische Behandlung wirkt sich diesbezüglich positiv aus.
Quellen
  • UFOP-Praxisinformation-Inhaltsstoffe, Futterwert und Einsatz von Lupinen in der Nutztierfütterung, aktualisierte Auflage 2007
  • Fibl-Merkblatt Biolupinen, 2012
  • UFOP-Praxisinformation-Bekämpfung der Anthracnose bei Lupinen
  • Landessortenversuche Lupinen 2004-2006, Endbericht zum Versuchsanbau von Lupinen und Sojabohnen, 2004, LfL Alois Aigner
  • Fütterungsfibel – Ökologische Schweinehaltung, LfL